Vera Putinas verlorener Sohn

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Auf dem Weg zur Kirche: Vera Putina und ihre Tochter Ljuba laufen die Dorfstraße in Metechi entlang

Es gibt Geheimnisse, von denen niemand weiß, Geheimnisse im wörtlichen Sinn. Es gibt Geheimnisse, die nur wenige Menschen kennen. Und dann gibt es Geheimnisse, die eigentlich keine Geheimnisse mehr sind, denen aber etwas Verbotenes anhaftet. Die Abhörmethoden der Stasi waren solch dunkles Allgemeinwissen. Jeder Bürger der DDR wusste davon, aber niemand durfte öffentlich darüber sprechen. Wladimir Putins Kindheit scheint etwas Ähnliches zu umgeben. Ein unausgesprochenes und unbewiesenes Geheimnis begleitet seine Biografie.
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Sigmar Gabriels fragwürdiger Freundschaftsdienst

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Auf der Bühne der russischen Botschaft: Sigmar Gabriel, Heino Wiese, Wlada Kolosowa, Jessica Schober (v.l.)

Sigmar Gabriel folgt der Einladung eines alten Hannoveraner Freundes in die russische Botschaft. Es geht ja nur um die Vorstellung eines unpolitischen Buches, oder?

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Überleben in Kiew

Gleich neben dem Maidan ist diese seltsame Uhr immer noch da. Sie wurde auf Wunsch des europäischen Fußballverbandes in ein Rasenbeet auf einer Böschung gepflanzt, etwa elf Meter groß. Als die Europameisterschaft im Sommer 2012 begann, standen noch die EM-Maskottchen daneben. Slavek und Slavko, zwei Fußballer, einer mit tschechischem, einer mit serbischem Namen. Mitarbeiter einer amerikanischen Marketingagentur hatten sich die Namen ausgedacht; sie glaubten, klingt irgendwie ukrainisch. Klingt es nicht.
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Die Ost-West-Lüge

Gegen diesen Text habe ich mich lange gewehrt. Jetzt sollen also die jungen Ossis schreiben, wer sie wirklich sind. Und die Wessis sollen ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall mitbekommen, was das für Menschen sind, die zwar hinter der Mauer geboren, aber im geeinten Deutschland aufgewachsen sind. Ich halte diese Ost-West-Vergleiche für überflüssig. Weiterlesen

Das Dorf zwischen den Fronten des Ukraine-Krieges

UkraineAm Dienstag vergangener Woche wäre Maria eigentlich gerne mit zur Beerdigung gegangen. Sie kannte die Verstorbene, es war eine Nachbarin, eine gute Bekannte, und zum Friedhof sind es nur 300 Meter. Maria blieb wegen der Beine dann lieber zu Hause. Sie kann nicht mehr richtig laufen. Ihre Hüfte und Oberschenkel schmerzen seit Jahren bei jedem Schritt. Wenn sie geht, stützt sie sich auf ihren Stock. Manchmal schafft es die 71-Jährige so auf die andere Seite der Straße zum Haus ihres Bruders Nikolei oder etwas weiter die Straße runter, die nach Anatoliy Kurkchy, einem sowjetischen General benannt ist. Am Tag der Beerdigung setzte sich Maria also lieber auf die Bank vor ihrem Haus und schaute der Zeremonie aus der Ferne zu, bis um 14:22 Uhr, als das begann, wofür Maria keine passenden Worte findet.
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Warum ich den Aufstand auf dem Maidan erleben musste, um den Fall der Mauer zu verstehen

maidan-flaggeDie Wende hat für mich Knopfaugen. Am Wochenende nach dem Mauerfall, es muss der 10. oder 11. November 1989 gewesen sein, fuhren meine Eltern mit mir das erste Mal nach “drüben”. Hunderttausende anderer Ossis hatten die gleiche Idee gehabt, wir standen schier ewig im Stau. Aber dieses Warten war das Beste. Ich war sieben Jahre alt und lief am Straßenrand entlang, wo Westdeutsche Kuchen, Kaffee, Tee verschenkten. Ich erinnere mich genau an den Geschmack meines Kakaos, süß und lecker. Eine mir unbekannte Frau schenkte mir noch ein selbst genähtes Kuscheltier, hellblau, bärenähnlich, mit Knopfaugen.
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“Euromaidan” – Protest und Zivilcourage in der Ukraine

Cover-EuromaidanDie ergreifendsten Momente meines Journalistenlebens habe ich in Kiew erlebt. In der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 2013 sollte die ukrainische Polizei den Unabhängigkeitsplatz räumen. Die Außenbeauftragte der EU, Catherine Ashton, hatte gerade die Stadt verlassen. Ich stand vor dem besetzten Gewerkschaftshaus am Maidan und sah die Spezialeinsatzkräfte vorrücken, Tausende gepanzerte Männer. Ich war sicher, dass der friedliche Volksaufstand in dieser Nacht beendet würde. Es kam anders.

Alte Männer, Großmütter, Jugendliche stellten sich den Polizisten entgegen. Die Männer drückten gegen die Barrikaden, die Frauen standen daneben und flehten Gott an, dass die Polizisten nicht schießen. Es gab vereinzelte Schläge, die Polizei setzte Tränengas ein, aber keine harte Gewalt. Die ganze Nacht drückten die Bürger von der einen und die Polizisten von der anderen Seite der Barrikaden. Auf der Bühne beteten und sangen die Demonstranten ohne Pause, und immer mehr Ukrainer strömten von überall ins Zentrum Kiews. Als die Sonne aufging, zogen sich die Polizeieinheiten zurück. Für mich war das die Geburt der Euromaidan-Revolution. Weiterlesen