Tim Wiese: Von wegen Volldepp und Superheld

Die Pöbeleien in der Herrentoilette waren in der Rosenmontagsnacht. Er stand da als Sträfling verkleidet, daneben sein Kumpel, ein Neandertaler. Weil der Neandertaler mit seiner Frau auf die Herrentoilette wollte, gab’s Ärger. Sie flogen raus. Die Polizei schlichtete. Und alles stand am Tag drauf in den Zeitungen des Springer-Verlages. Tim Wiese, der Sträfling, war mal wieder der Volldepp.

Schwer zu sagen, ob das der Tiefpunkt in der Karriere des 31-jährigen Torwarts war. Ebenso schlimm war’s, als er beim Training in Hoffenheim von seinem Stammplatzverlust erfuhr und vor Frust den Torwarttrainer packte, ihm drohte. Oder als die Bundesligaspieler ihn zum “Absteiger der Hinrunde” wählten. Oder als die Fans seines Vereins im Stadion dieses riesige Plakat in die Kameras hielten. “Ey Tim fahr ma auswärts”, stand da. Weiterlesen

Klopps Werk und Dortmunds Beitrag

Ins Westfalenstadion haben sie ein kleines Kino gebaut, 25 gelbe Sitze vor einer fünf Meter großen Leinwand. Dort läuft unentwegt: Ricken schießt aus 25 Metern, der Ball fliegt im Bogen, 3:1, der BVB gewinnt gegen Juventus Turin. Helden wie Jürgen Kohler und Matthias Sammer wuchten den Champions-League-Pokal Richtung Himmel. Sechzehn Jahre ist das her, dieser märchenhafte und größte Erfolg des Clubs. Anschauen will sich das am Dienstagabend in Dortmund keiner. Die Gegenwart ist aufregender. Weiterlesen

Eine Krankheit stellt den Football infrage

Er geht runter zum Strand, surfen. Sie fährt ins Fitnessstudio. So sieht ihr Alltag häufig aus. Junior Seau und seine Freundin leben in Oceanside, Kalifornien. Oceanside ist eine Stadt, die hält, was ihr Name verspricht. Das Haus des dreifachen Vaters gleicht einer Villa. Als seine Freundin an diesem Mittwochvormittag vom Fitnessstudio zurückkommt, betritt sie den Flur und geht weiter ins Schlafzimmer. Die Pistole liegt neben ihrem Freund. Er hat sich in die Brust geschossen. Weil er die Qualen seiner Krankheit nicht mehr ausgehalten hat, einer Krankheit, die ihm unbekannt war.

Junior Seau, ein Held in den USA, jahrelang einer der besten Footballer der NFL, wurde 43 Jahre alt. Für die San Diego Chargers, Miami Dolphins und New England Patriots lief er als Verteidiger auf. Mit seinem leidenschaftlichen Einsatz konnte er das Spiel zerstören. Mehrmals wurde er zum Defensivspieler der Saison gewählt. Als Seau sich an diesem Mittwochvormittag im Mai vergangenen Jahres umbrachte, schockierte er Millionen Fans. Nun, seit die Ursache für Seans Tod analysiert ist, und am Sonntag das Finale des diesjährigen Super Bowls ansteht, debattiert eine Sport-Nation. Denn wie Seau erging es in den vergangenen Monaten einigen ehemaligen NFL-Profis. Sie beendeten ihr Leben, weil sie an Chronic Traumatic Encephalopathy, kurz CTE, litten. Die Football-Stars starben wegen des Footballspiels. Weiterlesen

Ist Steinbrück noch wählbar?

Der “Blödmann” habe sich als Kandidat selbst “abgekanzelt“. Peer Steinbrück ist gemeint. Der, der eigentlich eine Merkel-Alternative sein wollte, bei der Bundestagswahl im Herbst. Er habe sich nun selbst erledigt. Stand so in den Zeitungen. Ist aber totaler Quatsch.

Wie es dazu kam? Vor Silvester druckte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ein Interview mit Steinbrück. Es ging um Frauen, die Medien, die Eurokrise, dies und das und den Ehemann von Angela Merkel, insgesamt 10.795 Zeichen lang. Die Aufregung bezieht sich lediglich auf zwei Antworten, die im Original so lauten:
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Weihnachten verlassen und vermissen

Ich hatte weg gewollt, fliehen, vor dem geheuchelten Kommerz in Deutschland, vor dem Stress der Erwartungen, vor dem Weihnachtsmann und all seinen uneingelösten Versprechen. 14.000 Kilometer war ich nach Süden geflogen, hatte in Mosambik am Strand gezeltet, war durch Namibia getrampt. “Endlich die Freunde in Afrika besuchen, komme sonst nicht dazu!”, so hatte ich es allen begründet.

Eigentlich bewohnte ich im Haus meines Freundes ein Gästezimmer, zumindest in den Tagen vor dem 24. Dezember 2011. Dann kam Josephs Verwandtschaft aus allen Teilen Simbabwes: Neffen, Großneffen, Onkels, Tanten, Großnichten. Es waren viele. Josephs Cousin Raphael Shayamano und Tino Moyo wollten heiraten. 800 Menschen waren geladen. Ich auch. All diese Geschenke, diese Tänze, die Hochzeits-Reden, die vielen kleinen dicken Mädchen und Jungen, die in ihren Kleidern um die Braut wuselten. Allein das Hochzeits-Buffet war lang wie ein Sechzehnmeterraum. Mit Weihnachten hatte alles nichts zu tun. Ich war aufgeregt. Und als wir nachts gegen 2:00 Uhr von der Feier zurück fuhren, lächelte ich noch. Weiterlesen

Daniel Brühl: “Ich trage kein Barcelona-Arschgeweih”

ZEIT ONLINE: Herr Brühl, haben Sie schon mal richtig laut gebrüllt, nicht im Film, im echten Leben?

Daniel Brühl: Ja klar, auf jeden Fall, nicht nur im Fußballstadion. Auch in der Kneipe oder zu Hause. Beim Fußball bei dramatischen Spielen kenne ich das gar nicht anders. Ich brülle nicht nur beim Tor. Aber das ist in Spanien ja normal, da ist es eh lauter als hier.

ZEIT ONLINE: Wann haben Sie zuletzt gebrüllt?

Brühl: Das war wohl vor ein paar Wochen, da habe ich in meiner Kneipe in Berlin Real Madrid gegen Barcelona gesehen. Beim Clasico kochen die Emotionen besonders hoch. Als das 2:1 für Barca fiel, habe ich gebrüllt. Leider folgte dann noch das 2:2 durch Ronaldo, obwohl dem ein Foul an Iniesta vorausgegangen war.

ZEIT ONLINE: Wenn man Sie nicht kennt, kann man sich schwer vorstellen, dass Sie so rumbrüllen. Weiterlesen

Böller, Kakao, Dosenbier: Mit einer Vierjährigen im Stadion

Spannung im Kinderblock von Hannover 96

Ennas Mutter hatte gesagt: “Vier Jahre alte Mädchen werden da zerdrückt!” Ein Stadionbesuch im November sei kein Zuckerschlecken. Aber Enna wollte. Ich auch. Also sind wir losgefahren.

U-Bahn, ICE, U-Bahn, Arena. Hannover 96 gegen den SC Freiburg, das klingt nicht nach Spitzenfußball. Wollten wir auch nicht. Enna kam in Hamburg auf die Welt, hat Verwandtschaft nahe Rostock und ist in Berlin aufgewachsen. Da erlebt man viel, aber keine Champions League. Weiterlesen