Offener Brief an die Bürger*innen Demmins, unsere Familien und Freund*innen

Der folgende Brief erreichte mich über eine Bekannte, die aus Demmin stammt und #heimatsuche gelesen hat. Während der Buch-Recherche habe ich Demmin als coole historische Stadt in Vorpommern kennengelernt. Was sich dort nun vor der Bürgermeisterwahl ereignet, ist unglaublich. Dieser TV-Beitrag von Panorama erklärt das Problem und die Motivation der Brief-Autorinnen und Autoren ganz gut. Viele der Verfasser*innen aus Demmin befürchten Gewalt gegen sich, weshalb sie die folgenden Zeilen anonym geschrieben haben. Diesen offenen Brief haben sie auch dem Nordkurier geschickt, dort wurde er bis jetzt nicht veröffentlicht. Ich publiziere ihn mit vollster Zustimmung und freue mich über den zivilgesellschaftlichen Mut. Wer das Anliegen des Briefes öffentlich unterstützen möchte, kann sich als Unterzeichner*innen melden – einfach in den Kommentaren oder auf sonstigen Wegen.

Wir sind Demminer*innen. 

Wir wohnen oder wohnten einst in Demmin.

Wir sind hier hergezogen oder sind hier geboren. 

Wir haben Freund*innen, Schwestern, Brüder, Eltern und Großeltern hier.

Demmin ist der Ort, den wir mit so vielen wunderbaren Erlebnissen und Erinnerungen verbinden, der Heimat ist, und dessen Entwicklung wir verfolgen.

Am Sonntag, den 25. April wählen alle Demminer*innen für neun Jahre ihren neuen Bürgermeister. 

Den dritten Bürgermeister nach der Wende.

Drei Kandidaten stehen zur Wahl.

Alle drei leben in Demmin, haben hier Familie und haben sich bereits in verschiedensten Artikeln im Nordkurier, sowie in den sozialen Medien zu Wort gemeldet und hier ihre Ideen, Vorstellungen und Pläne kundgetan.

Zwei von ihnen haben am 10. April an einer Podiumsdiskussion teilgenommen und sich kritischen Fragen gestellt. Der Dritte hat seine Teilnahme kurzfristig abgesagt, weil er sich keinem Corona-Test unterziehen wollte.

Einer der drei war mal ein “Staatsangehöriger beim Freistaat Preußen”. Die zwei anderen haben die demokratische Grundordnung der BRD bisher nicht in Frage gestellt.

Der einzige Kandidat mit Parteizugehörigkeit wurde von der CDU Mecklenburg – Vorpommern für den Posten des Bürgermeisters in Demmin empfohlen. Einer seiner parteilosen Kontrahenten erhielt eine Empfehlung vom NPD Landesverband, der andere von der SPD Demmin.

Alle sagen, dass sie bürgernah seien, den Dialog mit den Demminer*innen suchen und Demmin verändern wollen.

Wie viele von den versprochenen Veränderungen eintreffen, wird nur die Zeit zeigen können.

Jetzt am Sonntag liegt es jedoch in Ihrer Hand mitzuentscheiden, in welche politische Richtung sich Demmin in den nächsten neun Jahren entwickeln wird. Sie entscheiden, wer Demmins nächster Bürgermeister wird und ob Demmin weiterhin eine Hansestadt bleibt, in der Demokratie, Offenheit und ein herzliches Miteinander oberste Prioritäten sind.

Gezeichnet,

Demminer Stimmen


Unterstützer*innen:

Anna Maria Reimer
Pablo, Hinterlandgang
Albert, Hinterlandgang
Silke Gajek, Landtagsvizepräsidentin a.D.
Tanja Obser, Demmin
Linda Streich
Hendrik Fulda, Leppin bei Neubrandenburg,
Peter Ritzrau
Wolfgang Methling
Christine Jantzen
Anja Bräuer
D. Schmidt
Kristin Frosch, Demminerin in Schwerin
Rolf Martens
Florian Schäfer, Jena, Demminer im Herzen
Steffi D. Demminerin
Katharina K.
Jutta Wegner, Demminer:in im Herzen
Marcel Spittel
Wolfram Esch


UPDATE: Laut Wahlleiter erhielt Thomas Witkowski (CDU) im ersten Wahlgang 52,58 Prozent der Stimmen und wurde so neuer Bürgermeister Demmins. Die anderen beiden Kandidaten erhielten jeweils etwas mehr als 23 Prozent der Stimmen.

17 Gedanken zu „Offener Brief an die Bürger*innen Demmins, unsere Familien und Freund*innen

  1. Diese Bürgermeister*innen-Wahl macht sprachlos: Wie kann es sein, dass jemand der ganz offensichtlich die freiheitliche Grundordnung unseres Landes ablehnt und Mitglied des Staates Preußen ist sich als Bürgermeister zur Wahl stellt? Und wie kann es sein, dass sich heute, im Jahr 2021 kaum jemand traut, diesen Umstand offen zu kritisieren weil er/sie/* dann Repressionen fürchten muss? Ich hoffe, dass alle Demminer*innen, sich für Demokratie und Offenheit entscheiden und gegen Lügen, Intoleranz und Haß.

  2. Toll, dass es so viele Leute gibt, die immer noch mit Demmin verbunden sind und sich Gedanken machen, wie es vor Ort weitergeht.

    Ich hoffe ebenfalls, wie bereits in meinem Leserbrief vor einigen Wochen im NK geschrieben, dass sich die Demminer*innen klar für Demokratie & gegen Schwurbelei und Ausgrenzung entscheiden.

  3. Wir haben mit den drei Kandidaten gesprochen. Alle drei geben sich bürgernah und verständnisvoll. Stefan Woller tritt in meiner Wahrnehmung als Mann des Volkes auf. Und diese Rolle macht er nicht schlecht. Die Leute kennen ihn in Demmin, er sagt was er denkt und er redet nicht wie ein klassischer Politiker. Die anderen beiden Kandidaten haben beide einen Plan, doch ich denke einige Demminer haben kein Vertrauen mehr in einen glatten CDU Politiker, da sich die Stadt in den letzten Jahren nicht wirklich entwickelt hat. Eher ist Demmin stehen geblieben, wurde irgendwie stehen gelassen.
    Jedem muss jedoch klar sein, dass Woller nicht der Retter und Held ist, als welchen ihn einige sehen. Er ist rechtsextrem. Schaut euch seine Äußerungen an, es bleiben da gar keine Fragen.
    Ich denke, man sollte niemandem unterstellen, dass er nicht etwas Gutes für Demmin tun möchte. Ich denke alle drei Kandidaten wollen die Stadt voran treiben und etwas für die Bürger tun. Für das Amt des Bürgermeisters braucht es jedoch jemanden der professionell ist. Jemand der nicht seinen Emotionen ausgeliefert ist und ausrastet, wenn ihm danach ist. Diese Aufgabe können nur Wittkowski oder Behrens erfüllen.

  4. Niemals darf so ein Mensch Bürgermeister werden! Unfassbar, dass er überhaupt wählbar ist. Ich hoffe auf ein gutes Ende für Heimatstadt. Liebe Grüße aus Rostock!

  5. Ich unterstütze den offenen Brief. Es ist nur schwer verständlich, dass seine Zulassung zur Wahl so unkritisch erfolgt ist, obwohl er sich als ehemaliger Bürger des Freistaates Preußen bezeichnet hatte. Ich hoffe, dass die Bürgerinnen und Bürger Demmins eine kluge Entscheidung treffen.

  6. Ich habe vor langer Zeit die DeminerInmen als bodenständig und pragmatisch kennengelernt und hoffe, dass sie auch in diesen schwierigen Zeiten einem Ewiggestrigen kein Podium bieten! Wahl ist immer schwierig, aber Ihr seid klug genug, das richtige zu tun!

  7. Viel passender hätte man die Situation in demmin aktuell nicht beschreiben können…

    Hoffentlich bügeln die Wähler aus, was der Wahlausschuss versäumt hat! Einen Bürgermeister, der die demokratischen Grundwerte in Frage gestellt hat und es immer noch tut, hat an der Spitze dieser schönen Kleinstadt im Herzens Mecklenburg-Vorpommern nicht verdient!!!

  8. Ich hoffe auch sehr, dass die Demminer sich ihrer Verantwortung für ihre Stadt bewusst sind und die richtige Wahl treffen. Der Wahlausschuss hat für mich völlig versagt.
    Jedem Bürger Demmins sollte bewusst sein, dass Demokratie nie selbstverständlich ist und jeder die Möglichkeit hat, dafür einzustehen.
    Deshalb unterzeichne ich aus voller Überzeugung diesen offenen Brief.

  9. Demmin ist meine Heimat und ich komme immer gern nach Hause. Und das darf so bleiben und soll nicht gefährdet sein durch Verfassungsfeinde.

    Kristin Frosch, Demminerin in Schwerin

  10. Ich habe von 1999-2017 in und bei Grimmen gelebt, jetzt lebe ich in Stralsund. Mit Demmin wird mich ein Leben lang verbinden, dass meine 20jährige Tochter und mein 15jähriger Sohn dort geboren wurden, beide sind somit ebenfalls ihr Leben lang mit Demmin verbunden. Mit dieser schönen kleinen Stadt an der Peene, in der seit Jahren am 08.Mai von der NPD ein gruseliger Fackelmarsch inszeniert wird. Dafür ist Demmin Landes- und bundesweit bekannt und nun tritt dieser Kandidat an, was Demmin noch bekannter machen wird. Wollen die Demminer das? Ich bin mir sicher, die meisten wollen es nicht, doch ich frage mich, ob sie das auch zeigen, sagen und am Sonntag mit einem Kreuz kundtun werden….Wir waren oft am 08.Mai, am Tag der Befreiung, in Demmin, haben zusammen mit vielen anderen gegengehalten, den Demminer*innen unsere Solidarität gezeigt. Ich bin, wie viele andere auch, angereist, um den Nazis Grenzen zu setzen und den Demminer*innen beizustehen. Ich habe mich dabei zur richtigen Zeit am richtigen Ort gefühlt. Dann bin ich wieder abgereist, viele sind wieder abgereist. Ich habe mich auf dem Rückweg gefragt, wo eigentlich die Demminer alle waren, mein Eindruck war, das viele es einfach haben laufen lassen, aus Gleichgültigkeit, aus Angst vielleicht aus Frust, ich weiß es nicht … Mit der Familie war ich oft in der katholischen Kirchengemeinde zu Gast, haben die Kinder zur Jugendgruppe begleitet, an ganz normalen Tagen und an Feiertagen. Ne ganz normale Kleinstadt, habe ich gedacht…eben nur nicht am 08.Mai…habe ich gehofft…
    Jetzt denke ich: Ihr werdet ja wohl nicht soweit gehen in Demmin, dass ein “ehemaliger” Reichsbürger, offen von der NPD unterstützt, Euer Bürgermeister wird?…. Nein, hoffe ich, das werdet Ihr nicht, das könnt Ihr für Eure Stadt, für Euer Leben und für Eure Zukunft nicht wollen. Ist es so? Dann macht Euch auf und macht ein Kreuz. Mehr ist nicht erforderlich, aber das muß sein! Und was kann ich tun? Diesen Brief unterschreiben! Aus vollem Herzen und voller Hoffnung.

  11. #demminbleibtstabil

    Als gebürtige Demminerin, immer noch wohnhaft dort, hoffe ich, dass Menschen mit gesundem Menschenverstand am Sonntag ihren Arsch hoch bekommen und wählen gehen.
    So wichtig!
    So ein Mensch darf keine Möglichkeit bekommen sein Gedankengut im öffentlichen Raum zu platzieren.

    Ich unterstütze diesen Brief vollends. No more words needed!

  12. Diese Wahl ist, gerade auch mit Hinblick auf den Corona Frust und die Wut der Demminer, umso brisanter – ein Schmelztigel aus Emotionen gepaart mit den Hoffnungen auf Besserungen.

    Ich hoffe inständig, dass viele Menschen erkennen, dass ein Bürgermeisteramt Professionalität, Integrität und Eloquenz erfordert. Wieviel dieser Eigenschaften in jedem der Kandidaten steckt, kann jeder Demminer selbst entscheiden.

    Danke für diesen Brief. Er spricht wohl vielen Menschen, wie auch mir, aus dem Herzen.

  13. „Der große Mann geht seiner Zeit voraus, der Kluge geht mit ihr auf allen Wegen. Der Schlaukopf beutet sie gehörig aus , der Dummkopf stellt sich ihr entgegen“ Entsetzt und gar fassungslos bin ich vom Versagen des Demminer Wahlausschusses. Meine Hoffnung, dass Demmin’s Gemeinwesen künftig begleitend ,von einer freiheitlich demokratischen Grundgesinnung getragen wird , gebe ich dennoch nicht auf. Hiermit unterstütze ich diesen Brief ! Wolfram Esch

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