Überleben in Kiew

Gleich neben dem Maidan ist diese seltsame Uhr immer noch da. Sie wurde auf Wunsch des europäischen Fußballverbandes in ein Rasenbeet auf einer Böschung gepflanzt, etwa elf Meter groß. Als die Europameisterschaft im Sommer 2012 begann, standen noch die EM-Maskottchen daneben. Slavek und Slavko, zwei Fußballer, einer mit tschechischem, einer mit serbischem Namen. Mitarbeiter einer […]

Das Dorf zwischen den Fronten des Ukraine-Krieges

Am Dienstag vergangener Woche wäre Maria eigentlich gerne mit zur Beerdigung gegangen. Sie kannte die Verstorbene, es war eine Nachbarin, eine gute Bekannte, und zum Friedhof sind es nur 300 Meter. Maria blieb wegen der Beine dann lieber zu Hause. Sie kann nicht mehr richtig laufen. Ihre Hüfte und Oberschenkel schmerzen seit Jahren bei jedem […]

„Euromaidan“ – Protest und Zivilcourage in der Ukraine

Die ergreifendsten Momente meines Journalistenlebens habe ich in Kiew erlebt. In der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 2013 sollte die ukrainische Polizei den Unabhängigkeitsplatz räumen. Die Außenbeauftragte der EU, Catherine Ashton, hatte gerade die Stadt verlassen. Ich stand vor dem besetzten Gewerkschaftshaus am Maidan und sah die Spezialeinsatzkräfte vorrücken, Tausende gepanzerte Männer. Ich […]

Am Berg der Fahrradverrückten

Julien Castillan rennt vor seinem Hotel über die Straße. Er will seinem Sohn das Fahrradfahren beibringen. Der kleine Adrian schafft ein paar Meter. Oma und Opa stehen am Straßenrand und applaudieren. Familie ist den Castillans wichtig, Radfahren auch. Sie führen ihr Hotel in L’Alpe d’Huez als Familienbetrieb. Meist bleibt dabei viel Zeit füreinander. Nur an […]

Sandburgbauen mit Obama

Das Strandbad Wannsee in Berlin am Mittwochmorgen, 19. Juni 2013, um 10 Uhr   Im Stau auf dem Weg zum Wannsee lässt der Radiosender seine Hörer sprechen. „Hier ist Roland: Ich wünsch’ mir von Obama Streichhölzer, die am Stiefel brennen, wie im Wilden Westen.“ Andere wollen von ihm mehr Geld oder weniger Drohnen. Auf jedem […]

Paolo Di Canio: Der Faschist auf der Trainerbank

Paolo Di Canio hat als Kind oft eingepullert, bis er zehn oder elf Jahre alt war. Die Familie wohnte damals in einem armen Viertel Roms, er musste mit seinem älteren Bruder in einem Bett schlafen. Das beschreibt er in seiner Biografie. Das Buch ist 13 Jahre alt, aber dieser Tage brisant wie lange nicht mehr. […]

Tim Wiese: Von wegen Volldepp und Superheld

Die Pöbeleien in der Herrentoilette waren in der Rosenmontagsnacht. Er stand da als Sträfling verkleidet, daneben sein Kumpel, ein Neandertaler. Weil der Neandertaler mit seiner Frau auf die Herrentoilette wollte, gab’s Ärger. Sie flogen raus. Die Polizei schlichtete. Und alles stand am Tag drauf in den Zeitungen des Springer-Verlages. Tim Wiese, der Sträfling, war mal […]